„Plastic is not fantastic“ – traurige Eindrücke aus Südostasien und mögliche Lösungen

Es sind die Bilder von wunderschönen Stränden mit weißem Sand und kristallklarem Wasser, welche die Menschen sehen wollen. Als ich Mitte August 2017 das Reisen in Südostasien mit meinem Freund begann, freute ich mich schon sehr auf die paradiesischen Aussichten, das Meer, den tropischen Regenwald und die wilden Wasserfälle. Weit weg von Zuhause, wo alle Probleme vergessen schienen, warteten nur noch mehr Schrecken auf mich. Denn, wenn man mal genau hinsieht, bleibt so gut wie kein Fleckchen dieser wunderschönen Erde mehr von dem resistentestem Material aller Zeiten verschont. Dem Plastik. Es ist kein Leben mehr ohne vorstellbar, aber jetzt stellt sich die Frage: Wie lange kann das noch gut gehen? Ist es möglicherweise schon zu spät?

Die Fakten 

Es sind erschreckende Tatsachen: Plastik ist ein Alleskönner, aber das Material baut sich nur sehr langsam ab. So verbleibt es über Jahrhunderte in der Atmosphäre. Und es wird täglich mehr. Ca. 240 Millionen Tonnen Plastikabfälle fallen jährlich weltweit an. Rund 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll landen pro Jahr in den Ozeanen, mehr als 100 Millionen Tonnen schwimmen bereits darin.

„Garbage patch“ ist der Name für eine der größten Katastophen unserer Menschheit. Denn an bestimmten Stellen im Meer, wo Strömungen riesige Strudel bilden, sammelt sich Industrie- und Haushaltsmüll aller Arten – Plastik, Sammelbegriff für verschiedene synthetische Werkstoffe, die seit rund 50 Jahren industriell hergestellt werden.

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Grafik: © Deutsche Umwelthilfe

Das schwimmende Material folgt komplexen Strömungswirbeln und wird, je nach Wetterlage, von der Wasseroberfläche in Tiefen von bis zu 200 Metern gespült.  Millionen Tonnen Müll treiben allein in den fünf großen Strudeln der Weltmeere, der Schmutz wird dabei langsam in deren Zentrum gezogen.

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Krichim, Boat in plastic, April 25, 2009. Graphic: © Dimitar Dilkoff

Bis das Material verrottet dauert es bis zu 500 (!) Jahre. Im Laufe der Zeit wird das Material zu kleinsten Partikeln zerrieben, die sich im Wasser und auf dem Meeresgrund anreichern. Die Kleinstpartikel verbinden sich vorzugsweise mit giftigen und krebserregenden Stoffen, wie beispielsweise DDT oder PCB. Die Auswirkungen auf den marinen Lebensraum und die gesamte Biosphäre sind verheerend.

Meeresbewohner aller Größen, vom Wal bis zur Herzmuschel, verwechseln Plastik mit natürlicher Nahrung und verenden qualvoll daran. Über die Nahrungskette gelangen die giftigen Substanzen so auch in den menschlichen Organismus.

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Graphic: © Reuters/ Francis Perez

Beispiel Plastiktüte

Laut Auskunft der Deutschen Umwelthilfe liegt der jährliche Verbrauch bei ca. 1 Billion Plastiktüten weltweit. In der BRD werden pro Jahr 5,3 Milliarden Tüten verbraucht, also pro Minute ungefähr 10.000 Tüten. Doch die derzeitige Recyclingquote beträgt nur 6,6%. Während eine Kunststofftüte durchschnittlich ca. 25 Minuten gebraucht wird, benötigt sie abhängig vom Material 100-500 Jahre bis zum vollständigem Zerfall.

Glücklicherweise verlangen die meisten Läden in Deutschland seit Juli 2016 zehn bis zwanzig Cent pro Kunststofftüte, außerdem setzen viele Supermärkte wie REWE oder EDEKA ausschließlich nur noch auf umweltfreundliche Papiertüten und Kartonkisten.

Aber seien wir mal ehrlich – unser Plastikverbrauch ist immens! Es ist wie eine riesige, unaufhaltsame Lawine des Grauens, welche sich vor allem in unseren Ozeanen und an den Stränden der Welt bemerkbar macht.

Wie das Plastik in den Ozean kommt  

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Doch heute schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere hunderttausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton.

Rund 80 Prozent dieses Plastikmülls, der in den Meeren herumschwimmt stammt vom Land. Und das ist längst nicht nur in der Umwelt entsorgter Müll: Ein Großteil stammt aus den Haushalten – zum Beispiel Mikroplastik aus Kosmetika oder Synthetikfasern aus Fleece- und Sportkleidung. Durch Wind und Wetter, aber hauptsächlich durch die Ignoranz der Menschen gelangt der Müll also in die Flüsse und somit in den Ozean.

Was aber hat die Tüte mit dem Müll im Meer zu tun? Es gibt nur wenige Länder, die ein so hoch entwickeltes Abfall- und Recyclingsystem haben wie Deutschland. Daher geht es hier primär um eine weitere Reduzierung des Plastikmülls an sich – als Zeichen auch an andere Staaten, die weit weniger sorgsam mit Plastikmüll umgehen…

Die Situation in Südostasien

Bereits vor unserer Reise nach Südostasien habe ich von vielen Freunden und Bekannten gehört, wie Müllverseucht es hier sein soll. Und tatsächlich. In Kuala Lumpur angekommen fielen mir schon die vermüllten Straßen auf. Plastikverpackungen, Plastikflaschen und Einweg Becher sind an jeder Ecke zu sehen, trotz Straßenkehrern.

Am nächsten Tag besuchen wir die Kalksteinhöhlen „Batu-Caves“, welche rund 15 Kilometer nördlich der malaysischen Hauptstadt gelegen sind und mehrere Hindu-Tempel beherbergen, zu denen viele Einheimische einmal im Jahr pilgern.

Obwohl die Höhlen den lokalen Stämmen schon seit langem bekannt waren, wurden sie erst im Jahre 1878 durch den Amerikaner William Hornaday berühmt. Die größte ist die 100 Meter hohe sogenannte Tempel- oder Kathedralenhöhle, in der später mehrere Hindu-Schreine errichtet wurden.

272 steile Treppenstufen führen vom Vorplatz hinauf zum Eingang dieser Haupthöhle. Ein wenig tiefer liegt die Dunkle Höhle, ein über zwei Kilometer ausgedehntes, relativ unberührtes Höhlensystem, welche als best erforschte Höhle Asiens gilt.

Nach dem wir also bei gefühlten 50 Grad zusammen mit einigen Einheimischen, aber auch vielen Touristen die steilen Treppen meistern, stauen wir nicht schlecht. Eindrucksvoll bewundern wir die riesige Tempelhöhle und die Hindus bei ihren Gebeten. Der Rechte Hang der Höhle wird von Makakenaffen hoch und runter geklettert, einige von Ihnen wissen ganz genau, dass sie von den Besuchern Essen bekommen.

Doch die Besucher interessiert es leider recht wenig, wohin sie ihren Müll wegschmeißen und dementsprechend war es kein Wunder, dass ein kleines, süßes Babyäffchen  versuchte ein Stück Plastik zu essen und es letztendlich auch tat.

An den vor Ort zu findenden Kiosks werden Chips, Erdnüsse und Kekse verkauft, um die Affen füttern zu können. Das ist ja alles noch okay, aber dann muss meines Erachtens auch auf die Verpackungen geachtet werden. Ein einziger Mülleimer auf der ganzen Anlage wird da sicher nicht reichen.

Dieses Problem der mangelnden Mülleimer ist aber überall so. Ob an Traumstränden, wie Tioman Island oder im Dschungel Bukit Lawangs in Sumatra… Zu selten sieht man einfach mal keine schöne Natur ohne Müll.

Lokale Entsorgungsmethoden der Einheimischen

Oft habe ich mit den Locals darüber geredet und stundenlange Diskussionen über die Haltung einiger gegenüber den Müll geführt. Es gibt drei verschiedene Arten, wie man sich hier zu Lande um die Müllentsorgung kümmert. Vergraben, Verbrennen oder einfach Ignorieren.

Die meisten Gemeinden haben eine Müllsammelstelle, wo sie den Müll Vergraben. Das führt zu nichts Gutem, Tiere graben ihn wieder aus und verschleppen ihn durch die Gegend, so gelangt der Müll wieder in Flüsse und dadurch ins Meer.
Zudem bringt das vergraben nichts. Es wird mit der Zeit ja immer mehr Müll und zersetzen wird er sich auch nicht in absehbarer Zeit. Die dortige Erde ist dementsprechend für einige Hundert Jahre unfruchtbar und verpestet. Die kleinsten Partikel des Mülls, welche bereits einige Jahre dort vergraben sind, gelangen außerdem ins Grundwasser und setzten krebserregende Stoffe aus. So kommt es also, dass einige Inseln mittlerweile sprichwörtlich in ihrem eigenem Müll baden.

Um diesem Problem ein Ende zu setzen, sieht man überall die brennenden Müllhaufen. Sowohl die einzelnen Haushalte, als auch die Müllsammelstellen kokeln so gut wie 24/7 vor sich hin. Dadurch wäre der Müll zwar weg, aber ein neues Problem geschaffen.                Verpestete Luft mit krebserregende Stoffen belasten nämlich nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bevölkerung. Und das schlimmste ist: die meisten sind sich dessen nicht einmal bewusst.

Die Lösungen zur umweltfreundlichen Entsorgung sind also ziemlich begrenzt. Man weiß einfach nicht mehr, was man damit anstellen soll. Also ignoriert man den Müll nach dem Motto ,,was man nicht weiß, macht einen nicht heiß“.

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Graphic: © Matthew Karsten  from http://www.expertvagabond.com

Eine umsetzbare Lösung im Kampf gegen Plastikmüll

Während ich also mit der traurigen Alternativlosigkeit in weniger entwickelten Ländern nicht mehr klar kam, fing ich an, nach einem umweltfreundlichen, billigen und einfachem Weg zu suchen, seinen Plastikmüll los zu werden.

Dabei bin ich glücklicherweise auf diese tolle Webseite preciousplastic.com gestoßen. Sie wurde 2013 durch den holländischen Designer und Weltveränderer Dave Hakkens ins Leben gerufen. Durch seine Idee günstige Maschinen zum recyceln und aufwerten von Plastik gelingt es ihm die Welt zu revolutionieren. Nun ist es für jedermann möglich aus scheinbar wertlosem Altplastik neue Produkte zu kreieren und somit die Welt ein Stückchen besser zu machen. Das Problem: Kaum einer weiß davon. Deswegen liegt es nun an uns diese unglaubliche Chance publik zu machen!

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Graphic:  © Dave Hakkens from http://www.preciousplastic.com

Mein erstes Projekt im Dschungel Sumatras

Ein paar Tage bevor wir nach Bukit Lawang, einem kleinem Dörfchen am Eingang zum Leuser National Park kamen, schrieb ich einige Eco-Hostels und Eco-Tourismusagenturen per Email an und fragte, ob sie nicht Lust hätten sich meine Idee zum lokalen Recyceln von Plastik anhören zu wollen. Nach wenigen Tagen hatte mir eine Frau geantwortet, die super interessiert an der ganzen Sache war. In Bukit Lawang angekommen trafen wir uns gleich mit ihr. Ihr Name ist Janine und sie ist eine Deutsche, die seit einigen Jahren dort mit einem Einheimischen und ihrem kleinen Sohn lebt. Zur Zeit leitet sie die Trust-Education School und zeigt sich im Umgang mit ihren Schülern sehr vorbildlich und Umweltbewusst. Sie organisierte zum Beispiel bereits zum zweiten Jahr ein Umweltfestival für die Region, auf dem man sich über die neusten Projekte austauscht und Lösungen für ein harmonisches Zusammenleben mit Mensch und Natur bemüht. Glücklich über die Bekanntschaft mit Janine und der Gelegenheit ihr den Bau der Plastik Recycling Maschinen von preciousplastic.com ans Herz legen zu können, verbrachten wir die nächsten zwei Wochen in diesem wunderschönen Dörfchen.

Wir lernten durch mehr oder weniger Zufall bereits am ersten Tag den Bio-Bauern Basiran kennen, welcher mit dem Mist seiner Kühe eigenen Strom und Gas herstellt. Zwar konnte er kein Englisch, aber irgendwann wurde im Laufe des Gesprächs klar was für ein unglaublich interessanter und herzlicher Mensch er ist! Als wir anfingen ihm unser Projekt zu erzählen stellte sich heraus, dass er selber schon seit langer Zeit etwas sucht um gegen die Plastik Verschmutzung anzukämpfen und er uns liebend gerne beim Bau der Maschine helfen möchte. Dazu kommt, dass neben ihm gleich ein Schrottplatz mit alten Autotüren als Material für die Maschinen ist, den wir dann natürlich gleich nach Nützlichem absuchten. Einen besseren Zufall hätte es nicht geben können, denn all dies passierte bloß an unserem ersten Tag! Wir waren wirklich überglücklich und dankbar für diesen tollen Beginn. Die darauf folgenden Tage konzentrierten wir uns auf die Organisation des Baus, denn bekanntlich ist jeder Anfang das schwerste! Ich  übersetze mit Hilfe des Internets alle vier Anleitungen zum Bau der vier Maschinen von Englisch in Bahasa und Pascal und ich erstellten für die Finanzierung des Projekts diesen Fundraiser auf Generosity: School builds a plastic recycling machine in Sumatra.  Natürlich besuchten wir in der Zeit auch den Leuser Nationalpark und lernten viel über die vom Aussterben bedrohten Orang Utans und die Problematik des Palmöls. Weil wir leider bloß zwei Monate zum Reisen hatten und die Mittel zum Bau der Maschine in kurzer Zeit sehr begrenzt waren, mussten wir nach zwei Wochen leider weiterziehen… So enttäuschend und traurig es auch war unser Projekt, Janine und Basiran zurück zu lassen, wir wussten es ist in guten Händen!

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Quellen:  www.wwf.de,www.bmbf.de,www.plasticskills.com,www.wz.de,www.utopia.de

 

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