Wie die Palmölindustrie den Regenwald Sumatras abholzt und alternative Lösungsansätze

„Würden die Touristen nicht mehr zu uns kommen, wäre der Urwald hier schon längst ein weiteres Meer aus unendlichen Palmölplantagen“, sagte unser Guide Adi zu uns als wir gerade mitten im Dschungel die vom Aussterben bedrohten Orang Utans bestaunten. Ich wusste zwar, wie schlecht es um den Leuser Nationalpark in Sumatra stand, aber was die Touristen damit zu tun hatten, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar. Deswegen möchte ich heute meine Eindrücke rund um die grausame Palmölindustrie, den Leuser Nationalpark und eine alternative Lebenshaltung der Einheimischen gegenüber diesen Entwicklungen mit euch teilen.

Fakten über Palmöl

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der sogenannten Ölpalme gewonnen und ist eines der effizientesten pflanzlichen Öle, denn der Ertrag pro Fläche übersteigt zum Beispiel Raps um etwa das Dreifache. Außerdem ist dieser leichter und angenehmer zu verarbeiten als alle anderen Öle. Jährlich werden davon über 50 Tonnen weltweit produziert, wobei der Großteil (rund 85%) aus Malaysia und Indonesien kommen.

Obwohl Palmöl das verbreitetste Pflanzenfett der Welt ist, wissen nur wenige, dass es mittlerweile in zahlreichen Produkten des täglichen Gebrauchs zu finden ist. Hauptsächlich wird der heimliche Superstar in der Nahrungsmittelproduktion, Kosmetika und Reinigungsmitteln verwendet, aber auch im steigenden Einsatz von „Biosprit“. Dieser erhöhte den Palmöl-Verbrauch zwischen 2006 und 2012 um 365 Prozent von 402.000 Tonnen auf 1,87 Millionen Tonnen binnen der EU. Somit trügt der Name „Biosprit“ meines Erachtens, denn er hat eine noch schlechtere Klimabilanz als fossiler Kraftstoff. Durch die künstlich geschaffene Nachfrage erhöht er den Druck auf die Ökosysteme und zerstört immer mehr Existenzen.

(www.greenpeace.de/Palmöl)

Die fatalen Folgen der herkömmlichen Palmölindustrie 

Für die Anlage neuer Ölpalmplantagen werden die letzten Regenwälder und Torfmoore unserer Erde zerstört. Damit schwinden die letzten Rückzugsräume stark bedrohter Tierarten wie Sumatra-Tiger und Orang-Utan. Seit 1990 wurde ein Viertel – rund 31 Millionen Hektar –  der Regenwälder Indonesiens zerstört. Dies entspricht beinahe der Fläche Deutschlands.

orangutans-fire-MAIN.jpgFoto: www.takepart.com

Wird ein Wald zerstört, werden auch die Menschen vertrieben, deren Vorfahren Tausende von Jahren im und vom Wald gelebt und ihn immer bewahrt haben. Heute ist das Überleben der Ureinwohner akut bedroht. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Awá-Indianer in Brasilien, Pygmäen in Afrika, Penan in Malaysia und viele andere Völker. Denn wenn die Bulldozer der Holzfirmen die Pflanzen und Tiere vernichten, wird auch die „Vorratskammer” der Waldmenschen geplündert. Zusätzlich leiden Millionen von Bauern unter der Regenwaldvernichtung, denn sie brauchen intakte Wälder als Wasserspeicher, der Regen- und Trockenzeiten ausgleicht. Kleinbauern und Ureinwohner werden von ihrem Land vertrieben, ohne vorher informiert oder überhaupt gefragt zu werden. Wenn sie sich gegen den Landraub wehren, werden sie bedroht, geschlagen oder verhaftet. Allein in Indonesien, wo 45 Millionen Menschen in oder mit den Wäldern leben, gibt es ungefähr 5.000 Land- und Menschenrechtskonflikte, die mit der Palmölindustrie zusammenhängen.

„Ich möchte, dass alle Menschen in Europa verstehen: Für euer Palmöl zerstören internationale Konzerne unseren Wald, unsere Lebensquelle und unsere Zukunft“, sagt Nordin, der Gründer unserer indonesischen Partnerorganisation Save our Borneo.

Die Palmölindustrie gilt als größter Einzelverursacher der Entwaldung. Und Ende ist keines in Sicht, denn die indonesische Regierung plant derzeit, weitere 15 Millionen Hektar Regenwald zur Zerstörung freizugeben. Im Herbst 2015 wüteten schwere Waldbrände, welche Indonesien zeitweise an die Spitze der Treibhausgasemittenten katapultierten. Denn in wenigen Wochen stieß der Inselstaat mehr Kohlendioxid aus, als Deutschland in einem ganzen Jahr. Mit der Waldzerstörung geht ein massiver Ausstoß von CO2 einher. Treibhausgase, die bei der Brandrodung und Trockenlegung von kohlenstoffreichen Torfmooren entstehen, machen dabei den Löwenanteil aus.

Die Folgen liegen auf der Hand: irreversibles Massensterben von Flora und Fauna, welches ein Ungleichgewicht für unsere Erde bedeutet. Zusätzlich wird die Lunge der Erde immer kleiner und die Konsequenzen eines Tages unaufhaltsam.

Was kann ich tun?

Jetzt, wo du die ganze Problematik von Palmöl kennst, kannst du Folgendes tun:

  • Erzähle anderen davon, wie viele Probleme Palmöl mit sich bringt. Je mehr Leute darüber Bescheid wissen, desto mehr kann man erreichen.
  • Versuche Produkte, die viel Palmöl enthalten, zu vermeiden, zum Beispiel mit der „Weißen Liste“: www.umweltblick.de/produkte-ohne-palmoel
  • Schreibe den Herstellern von Produkten, auf die du wegen des Palmöl verzichtest, warum du ihr Produkt nicht mehr kaufst und verlange, dass sie in Zukunft das Wort Palmöl auf die Zutatenliste schreiben.

5 TIPPS: WIE SIE ZUR NACHHALTIGEN NUTZUNG VON PALMÖL BEITRAGEN KÖNNEN

  1. Prüfen Sie, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, bevor Sie ein Produkt kaufen. Achtung: Oft wird statt auf „Palmöl“ nur auf „pflanzliche Fette und Öle“ hingewiesen. Wenn auf der Waschmittelpackung beispielsweise „Sodium Palm Kernelate“ steht, ist das ebenfalls ein Hinweis auf Palmöl.
  2. Falls verfügbar, wählen Sie Produkte mit nachhaltig zertifiziertem Palmöl. Beispiele sind der bereits genannte Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), ISCC Plus (International Sustainability & Carbon Certification), Rainforest Alliance und der Roundtable on Sustainable Biomaterials.
  3. Besonders viel Palmöl findet sich in Fertiggerichten, Süßigkeiten und fettigen Nahrungsmitteln. Es ist auch ein beliebtes Futtermittel in der Tierindustrie. Wenn Sie Palmöl vermeiden wollen, essen Sie mehr frische oder selbst gemachte Produkte und weniger Fleisch.
  4. In vielen Ländern wird Palmöl als Biokraftstoff genutzt. Lassen Sie das Auto öfter stehen und nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
  5. Fordern Sie von der Politik und Industrie, sich für mehr Nachhaltigkeit bei der Produktion und Nutzung von Palmöl einzusetzen. Die Umweltorganisation WWF, die in mehr als 80 Ländern weltweit vertreten ist, setzt sich zum Beispiel stark für eine nachhaltige Palmöl-Produktion ein.

Die Ausbreitung von Ölpalm-Plantagen auf Kosten der Regenwälder darf nicht weiter gehen. Du kannst als Verbraucherin und Verbraucher dazu beitragen, indem du dich zu Wort meldest und an Protesten teilnimmst.

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